Die Klage gegen Booking soll noch 2025 eingereicht werden
Die europaweite Sammelklage gegen Booking stößt auf breite Unterstützung: Mehr als 15.000 Hotels haben sich angeschlossen, darunter rund 4.000 aus Deutschland, wie der IHA zum Ende der Registrierungsfrist mitteilt. In Kürze soll Klage eingereicht werden. Ziel ist es, Schadenersatz für die rechtswidrige Anwendung von Bestpreis-Klauseln durchzusetzen.
Hotrec
Die Frist zur Teilnahme an der Sammelklage endet
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Die von der europäischen Hotelverbandsorganisation Hotrec initiierte Sammelklage gegen Booking ist auf enorme Resonanz gestoßen. Am Freitag, 29. August, läuft die Frist für die Registrierung interessierter Hotels ab. Doch mehr als 15.000 Hotels haben sich inzwischen registriert, um ihre Ansprüche wegen der jahrelangen Anwendung von sogenannten Paritäts- oder Bestpreis-Klauseln geltend zu machen. Diese Praxis untersagte es den Hotels, ihre Zimmer auf der eigenen Website günstiger anzubieten als auf der Plattform. Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom September 2024 steht fest, dass dieses Vorgehen gegen das Wettbewerbsrecht der EU verstieß. Damit haben die Häuser nun Aussicht auf Schadenersatz.
Mehr als 30 nationale Verbände haben sich in Stellung gebracht
Die Klage wird von der niederländischen Stichting Hotel Claims Alliance koordiniert, die bereits Erfahrung mit solchen Verfahren gesammelt hat. Unterstützt wird sie von Hotrec und mehr als 30 nationalen Verbänden. Aus Deutschland beteiligen sich rund 4.000 Hotels, wie der Hotelverband IHA mitteilt. Bereits seit 2020 laufen dort parallele Verfahren vor dem Bezirksgericht Amsterdam und dem Landgericht Berlin, die nun als Orientierung für die europaweite Klage dienen sollen.
In den kommenden Wochen werden die Daten der teilnehmenden Hotels überprüft und gebündelt. Anschließend soll die Klageschrift vorbereitet werden, mit dem Ziel, sie noch vor Ende des Jahres beim Bezirksgericht in Amsterdam einzureichen. Damit wäre der formale Startpunkt für ein Verfahren gesetzt, das voraussichtlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. Erste Verhandlungstermine könnten im Laufe des Jahres 2026 folgen.
Booking hält die Höhe der Vermittlungsprovision für angemessen
Für die Hotellerie ist die Klage mehr als nur eine Auseinandersetzung um mögliche Rückzahlungen. Sie hat auch eine strategische Dimension. Viele Betriebe fühlen sich seit Jahren in ihrer Preishoheit eingeschränkt und durch die Marktmacht großer Buchungsportale in die Abhängigkeit gedrängt. Mit der Klage wollen die Hotels nicht nur finanzielle Verluste ausgleichen, sondern auch ein Signal setzen, dass sich der Sektor gegen aus ihrer Sicht unfaire Geschäftsbedingungen wehrt.
Booking weist die Vorwürfe seit jeher zurück und betont, dass die Nutzung der Plattform freiwillig sei und die angebotenen Dienstleistungen die Höhe der Provisionen rechtfertigten. Auch hat das Unternehmen bislang keine spezifischen Rückstellungen für den Fall einer Verurteilung vorgenommen. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens ist die Klage eine kommunikative Katastrophe für Booking. Kaum ein Publikumsmedium in Deutschland hat es sich in den vergangenen Wochen nehmen lassen, über den anstehenden Rechtsstreit zu berichten und das Thema so in die breite Öffentlichkeit zu tragen.
Pascal Brückmann