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6. Juni 2024 | 07:00 Uhr
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"Steuererhöhung würde Branche politisch kaputt machen"

im zweiten Teil des Interviews mit Treugast-Chef Michael Lidl zur wirtschaftlichen Situation der Hotelbetriebe in Deutschland erklärt dieser, wie dramatisch die Abschaffung der vergünstigten Umsatzsteuer auf Übernachtungen für die Branche wäre. 

Mehrwertsteuer

Fällt bald auch die reduzierte Umsatzsteuer für Hotelübernachtungen?

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Die Branche hat lange und intensiv über die Abschaffung der reduzierten Mehrwertsteuer für den Verzehr von Speisen in Restaurants diskutiert und geklagt. Hat die Anpassung der Mehrwertsteuer an dieser Stelle die Hotelbetriebe ernsthaft belastet oder ist das aus Ihrer Sicht eher ein Problem der reinen Gastronomie-Betriebe?

Michael Lidl: Natürlich trifft es die reinen Gastronomen deutlich härter als die Hotellerie, da deren Umsatzanteil Speisen am Gesamtumsatz deutlich höher ist als in der Hotellerie. Für Gastronomen ist es eine enorme Belastung und wird das Wirtshaussterben der letzten vier Jahre weiter vorantreiben. Für die Hotellerie ist es in der aktuellen Gemengelage allerdings ebenfalls ein weiterer Kostendruck, da die Mehrwertsteuer-Erhöhung auf die Gäste nicht voll umgelegt werden kann.

Im Zuge der Diskussion um die Lücken im Bundeshaushalt könnte am Ende nun auch der reduzierte Mehrwertsteuersatz für die Hotelübernachtungen fallen. Wäre das ein echter Gau oder könnte die Hotellerie die notwendigen Preissteigerungen erfolgreich durchsetzen?

Die Umsatzsteuersenkung auf sieben Prozent im Jahr 2010 war der Startschuss für eine sehr starke Hotelmarktentwicklung mit viel Investitionen und unter dem Strich, trotz geringeren Umsatzsteuer-Satz, zu nachweislich mehr Umsatzsteuereinnahmen für den Bundeshaushalt geführt hat. Eine erneute Anhebung würde erstmal genau den umgekehrten Effekt haben. Hinzu kommt jedoch, dass seit 2010 viele Gemeinden und Kommunen die Bettensteuer von bis zu sieben Prozent eingeführt haben. In der Folge wäre der maximale Steuersatz auf Übernachtungen bei 19 Prozent Umsatzsteuer plus 7 Prozent Bettensteuer, also bei 26 Prozent. Und das im Kontext mit einer fortwährenden Krisensituation seit März 2020. Also wenn man einen der wichtigsten Industriezweige in Deutschland politisch kaputt machen will, wäre die Anhebung der Umsatzsteuer ein großer Hebel.

In Deutschland wird inzwischen wieder im größeren Stil in die Ferienhotellerie investiert, mit der Dertour-Beteiligung DSR Holding bildet sich gerade ein neuer Marktführer. Ist dieses Segment bald auch für internationale Investoren und Marken interessant oder eignet sich der Standort Deutschland nur bedingt als lukrativer Leisure-Markt im internationalen Wettbewerb?

Für internationale Investoren und Marken ist der deutsche Leisure-Markt beschränkt überwiegend auf Nord- und Ostsee sowie Bayern & Baden-Württemberg südlich der Donau. In diesen Märkten sehen wir aber in der Tat großes Potenzial, das sich unter anderem in hoher Krisenresistenz der Nachfrage und geringem Anteil der Markenhotellerie widerspiegelt.

Sie beraten mit ihrem Unternehmen Hoteliers, wie sie ihr Geschäft erfolgreicher gestalten können. In welcher Stadt, beziehungsweise an welchem Ort und mit welchem Konzept würden Sie persönlich gerne ein Hotel eröffnen?

Wir begleiten aktuell das Opening der Adea Suites. Die Eröffnung dieses Ski In & Out Lifestyle-Hotels inmitten des Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn gehört sicher auf meine Bucket-List. Das perfekte Pendant wäre ein Beach Club & Resort an der Küste, was mich sehr reizen würde. Mein kaufmännisches Herz schlägt eher für voll-digitalisierte Hotelkonzepte an Hidden-Champion-Standorten, die nicht jeder auf dem Schirm hat. 

Das Gespräch führte Pascal Brückmann

Lesen Sie hier Teil 1 des Interviews

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