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15. April 2026 | 17:38 Uhr
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Große Gesamtlösung für Revo-Rettung ist nicht vom Tisch

Bei einem der größten und komplexesten Insolvenzverfahren in Deutschland zeichnen sich erste Lösungen ab. Die eingesetzten Geschäftsführer Benedikt de Bruyn (links) und Gordon Geiser (rechts) der Revo-Hospitality-Gruppe geben erstmals in einem Mediengespräch mit der Fachpresse Einblick in den Stand der Dinge.

Revo Interims-GF Benedikt de Bruyn Gordon Geiser Foto Revo Hospitality

Die beiden Interims-Geschäftsführer Benedikt de Bruyn (links) und Gordon Geiser (rechts) steuern das Insolvenzverfahren rund um die Revo Hospitality

In dem Gespräch mit Hotel vor9 erläuterten Geiser und de Bruyn den aktuellen Verfahrensstand. Demnach haben sich für rund 25 Hotels bereits neue Investoren gefunden. Hier aber im Wesentlichen dadurch, weil schon vor der Insolvenz die Pachtverträge gekündigt waren und es letztlich nur noch darum ging, die Übergaben in enger Abstimmung und möglichst nahtlos mit den jeweiligen Verpächtern zu organisieren. Dies habe aber sehr gut funktioniert.

Der Investorenprozess befindet sich derzeit in der zweiten Phase. Geiser sagte dazu: "Das Interesse ist sehr groß. Wir haben von nahezu 50 Prozent der über 100 Interessenten, die sich überhaupt beteiligt haben in dem Prozess, auch Angebote bekommen. Das ist per se eine tolle Zahl." Gebote lägen sowohl für das Gesamtportfolio als auch für Teilportfolien vor. Bis Spätsommer oder Frühherbst soll der Großteil der Hotels in neue Hände übergeben sein. Eine Entscheidung zwischen einer großen Gesamtlösung und mehreren Einzeltransaktionen ist laut den Geschäftsführern noch nicht gefallen.

Gehälter ab April aus dem operativen Geschäft

Seit der offiziellen Verfahrenseröffnung Anfang April werden die Gehälter der rund 5.900 Beschäftigten wieder aus dem laufenden Hotelbetrieb finanziert. Laut einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter gilt dies auch für das Headoffice der Revo sowie der H-Hotels, deren Gehälter aus einer unternehmensweiten Umlage bestritten werden. De Bruyn stellte klar, dass die Formulierung in einer Mitarbeiterinformation – Gehälter würden gezahlt, sofern "der Hotelbetrieb weiterhin erfolgreich läuft" – keine bedingte Zusage gewesen sei: "Das ist keine Wenn-dann-Konstellation gewesen, sondern wir möchten weiterhin die Arbeitsverhältnisse fortführen. Wir möchten aber genauso gut weiterhin Gäste beherbergen."

Beide Geschäftsführer hoben den außerordentlichen Einsatz der Belegschaft als zentralen Erfolgsfaktor für die gesamten Verfahren hervor und sprachen auch ihren Dank dafür aus. Dennoch sei es leider unvermeidlich, dass man die Personalstärke in der Zentrale schon jetzt an die schrumpfende Unternehmensgröße angepasst und daher erste Kündigungen ausgesprochen habe. Konkrete Zahlen zu den gestrichenen Stellen nannten die Geschäftsführer aber nicht. Nach Informationen von Hotel vor9 wurden beispielsweise Kündigungen für Mitarbeiter der Sales-Abteilung ausgesprochen.

Neben den deutschen Gesellschaften sind auch fünf Hotels in Österreich und sieben in den Niederlanden Teil der Eigenverwaltung. Diese Verfahren laufen nach deutschem Insolvenzrecht, werden aber mit Unterstützung lokaler Berater für länderspezifische Fragen betreut. Die Revo-Hotels in der Schweiz, Italien, Frankreich, Spanien, Polen und der Slowakei sind hingegen nicht von der Insolvenz betroffen. 

Die österreichische Amedia GmbH (eine eigenständige Gesellschaft nach österreichischem Recht), für die direkt Insolvenz angemeldet werden musste (Hotel vor9 hatte exklusiv berichtet ) konnte laut de Bruyn nicht Teil der Eigenverwaltung werden, da dort "die Schwierigkeiten so groß" gewesen seien, dass man "das Vertrauen, was die Eigenverwaltung schafft", nicht habe in Anspruch nehmen können.

Gesellschafter Ruslan Husry ohne Einfluss auf das Verfahren

Zur Rolle von Revo-Gesellschafter Ruslan Husry stellte Geiser klar: "Ein Teil des Restrukturierungsteams ist er nicht. Er ist weiterhin Gesellschafter." Die Insolvenzordnung schütze die eingesetzten Geschäftsführer vor Einflussnahme des Gesellschafters. Husry könne sich am Investorenprozess beteiligen. Allerdings zu denselben Bedingungen wie jeder andere Bieter auch. "Unser Entscheidungsmaßstab für alles, was wir entscheiden, ist die Insolvenzordnung und die Interessen der Gläubiger", betonte Geiser.

Der bisherige Geschäftsführer Robert Kennedy sei weiter Geschäftsführer der Gesellschaften. Die verfahrensbezogene Steuerung liege aber alleine bei Geiser und de Bruyn. Kennedy sei kein Insolvenzrechtler, zudem laufe das gesamte Verfahren – Gerichtskommunikation, Gläubigergespräche – ausschließlich auf Deutsch, was für den nicht deutschsprachigen Kennedy eine zusätzliche Hürde darstelle.

Hintergrund: Rasante Expansion als Hauptursache

Die Revo-Gruppe betrieb eigenen Angaben zufolge unter eigenen Marken sowie als Franchisenehmer großer Hotelketten insgesamt 250 Hotels in 135 Städten in zwölf europäischen Ländern. Als wesentlichen Grund für die Insolvenz nannte das Unternehmen die starke Expansion seit 2020 – von damals 51 auf zuletzt rund 250 Hotels. Die damit verbundenen Akquisitionskosten sowie stark gestiegene Energie- und Personalkosten hätten die Gruppe in die Zahlungsunfähigkeit getrieben.

Pascal Brückmann

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